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Beispielhaftes Bio-Projekt: „Man muss das mal vom Wildtier her denken“

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„Es ist riskant. Wir wagen es trotzdem: Wir erhöhen unseren Milchpreis um 20 Cent.“ So steht es seit ein paar Wochen auf den Milchtüten der Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof, die im Norden Deutschlands Biomilch anbietet. Mit der Preiserhöhung will die Bauerngemeinschaft von fast vierzig Betrieben einen Umbau der Tierhaltung und der Landbewirtschaftung finanzieren, der weit über die Standards ihres Anbauverbandes Bioland hinausgeht und mittenrein zielt in die gesamtgesellschaftliche Diskussion um die Agrarwende.

Hier wird das gemacht, wovon alle reden: Klimaschutz, Tierwohl, Biodiversität und faire, zukunftsfähige Arbeitsbedingungen auf dem Land – einmal alles und das schnell. In einem ersten Schritt bis 2025 und einem zweiten bis 2030 will die Bauerngemeinschaft die Zukunft der Landwirtschaft aufbauen. Mit zwanzig Cent mehr pro Liter verkaufter Milch. Anscheinend machen die Verbraucherinnen und Verbraucher das mit. Sie zahlen, oder genauer: sie investieren beim Einkaufen von Milchprodukten – und der Umbau ist gestartet.

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Projekt Zukunft

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Entstanden ist die Bauerngemeinschaft, die sich eine Meierei aufgebaut hat und eigene Vertriebswege für ihre Milchprodukte, aus einem Hof im schleswig-holsteinischen Hamfelde. Im Tschernobyl-Jahr 1986 haben die Eltern von Janosch Raymann, dem heutigen Geschäftsführer der Meierei, ihren Hof auf Bio umgestellt. Damals gab es in Norddeutschland noch keine Meierei, die Biomilch separat verarbeiten wollte. Also musste der Vertrieb selbst organisiert werden. Nach und nach haben sich immer mehr Milchbetriebe dem Anbauverband Bioland und den Hamfeldern angeschlossen und nach mehreren Versuchen mit ansässigen Molkereien wurde dann die Bauerngemeinschaft gegründet und 2015 die eigene Meierei eröffnet.

„Das war von Anfang an eine Initiative, die nicht nur Milchprodukte vermarkten wollte, sondern auch die Ökolandwirtschaft weiterentwickeln,“ sagt Janosch Raymann. Und nachdem sich die Hamfelder im regionalen Biomarkt Norddeutschlands etabliert hatten, gingen sie dann dieses Ziel an. Von der Ideensammlung bis zur Projektentwicklung hat es mehrere Jahre gedauert, bis ein von der Bauerngemeinschaft gewählter Beirat dann das Konzept vorstellen konnte. Im Beirat eine Bäuerin, drei Bauern, der Geschäftsführer und ein Mitarbeiter aus dem Qualitätsmanagement der Meierei, die sich auch externe Expertise holten.

Das Projekt, für das die Hamfelder jetzt die Verbraucherinnen und Verbraucher über den Milchpreis um Finanzierung bitten, stützt sich im Wesentlichen auf drei Säulen:

Die Familienbetriebe, die die Meierei tragen, sollen zukunftsfähig werden und erhalten bleiben. Sie sollen gute Arbeit zu auskömmlichen Löhnen bieten. Diesen Punkt nennt Janosch Raymann zuerst, weil er in der öffentlichen Wahrnehmung gerne untergeht. „Aber“, sagt er, „wenn die Betriebe keine Zukunft haben, müssen wir uns über die Art, wie sie wirtschaften sollen, keine Gedanken mehr machen.“

Dann kommt das, was die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher und auch Journalisten wie mich immer zuerst interessiert: das Tierwohl!

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