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Darum sitzt die EZB in der Falle

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In Bezug auf die Möglichkeit, die Monetarisierung von Staatsschulden eine Zeit lang auszusetzen, bildet die EZB im Vergleich zu anderen Zentralbanken das Schlusslicht. Es handelt sich hier um ein komplexes politisches Problem.

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Zentralbanken in der Falle

Mehrere der großen Zentralbanken sitzen in einer Falle, die sie sich selbst gestellt haben. Dazu zählen die US-Notenbank Federal Reserve, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank und weitere. Das kreditbasierte globale Finanzsystem, das wir in den letzten einhundert Jahren aufgebaut haben und in dem wir leben, muss kontinuierlich wachsen oder zugrunde gehen. Es ist, als würden wir „Reise nach Jerusalem” spielen und müssten ständig neue Stühle und Mitspieler hinzufügen, damit das Spiel niemals endet. Der Grund dafür: Die kumulierten Schulden sind viel höher als das gesamte Geldangebot, d. h. es gibt mehr Ansprüche auf Geld als Geld vorhanden ist. Folglich dürfen niemals zu viele Ansprüche auf einmal eingefordert werden. Die Party muss immer weitergehen. Wenn die Schulden im Verhältnis zur Geldmenge zu hoch werden und eingefordert werden, wird neue Währung geschöpft. Das kostet schließlich nichts als ein paar Tastendrücke. So ist es heute in den meisten der führenden Nationen: Anders gesagt wachsen die Forderungen nach Dollars (Schulden) viel schneller als die Fähigkeit der Wirtschaft, Dollars zu generieren, und übersteigen bei Weitem die existierende Dollarmenge. Wenn dies zu problematisch wird, erhöht die Zentralbank ganz einfach die Geldbasis.

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Ungedecktes Geld

Die Geldbasis stellt eine Verbindlichkeit der Zentralbank dar und wird von den Geschäftsbanken als Reserve genutzt. Die erweiterte Geldmenge ist wiederum eine Verbindlichkeit der Geschäftsbanken und wird von der breiten Öffentlichkeit für Ersparnisse genutzt. Staatsanleihen sind dagegen Verbindlichkeiten des Staates und werden von der Zentralbank und den Geschäftsbanken als Sicherheiten verwendet. Anders gesagt werden Verbindlichkeiten ausschließlich durch andere Verbindlichkeiten abgesichert.

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Die Zentralbanken versuchen zu gewährleisten, dass das Kreditwachstum weder zu rasant fortschreitet und sich eine Blase bildet, noch dass es in einer deflationären Insolvenzspirale in sich zusammenbricht (womit sie oft scheitern). Ihr Ziel ist ein gleichmäßiges Kreditwachstum, eventuell mit einigen sanften Zyklen, und eine verlässliche Geldentwertung von 2 % jährlich. Wenn das Wirtschaftswachstum stagnierte, haben die Zentralbanken jahrzehntelang die Zinsen gesenkt, um die Kreditvergabe anzukurbeln (d. h. das Schuldenwachstum), welche wiederum zu wirtschaftlichen Wachstumsschüben führt. Wenn die Wirtschaft dagegen boomte, erhöhten sie die Zinsen und bremsten so das Kreditwachstum, um die Situation abzukühlen.

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EZB: Zinspolitik ausgereizt

Das Problem ist, dass dieses Mikromanagement, zusammen mit dem Wissen, dass das zugrundeliegende System notfalls immer gerettet werden würde, zu immer höheren staatlichen und privaten Schuldenständen im Verhältnis zum BIP und zu immer niedrigeren Zinsen geführt hat. In den letzten vier Jahrzehnten wurde der Anstieg der Schulden im Laufe der Zeit immer durch Zinssenkungen ausgeglichen, sodass sich die Kosten für den Schuldendienst niemals deutlich erhöhten. Letztlich haben die großen Zentralbanken jedoch alle Zinssätze von null oder sogar leicht negative Zinsen erreicht und es gab keinen realistischen Spielraum mehr nach unten. Jedes weitere Schuldenwachstum kann kaum noch durch niedrigere Zinsen ausgeglichen werden. Die Zinskosten würden im Verhältnis zum BIP und zum Einkommen tatsächlich steigen. Sollte die Welt zudem jemals einen signifikanten Rückgang der Produktivität erleben – beispielsweise durch Deglobalisierung oder fehlende Investitionen im Rohstoffsektor, wie wir es heute sehen – dann wäre es schwierig, die daraus resultierende Inflation durch Zinsanhebungen zu kompensieren.

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