Unheimliche Diebe – Wie Medikamente uns bestehlen

Unheimliche Diebe
Wie Medikamente uns bestehlen


Dir fehlen wichtige Vitamine und Nährstoffe? Und das, obwohl du dich gesund und ausgewogen ernährst? Müdigkeit, Erschöpfung, Depressionen oder unerklärliche Schmerzen und keine Erklärung in Sicht? Wenn die Besuche von Arzt zu Arzt keine Ursache finden lassen, können bestimmte Medikamente schuld daran sein.

Längst ist bekannt, dass Medikamente nicht mit bestimmten Lebensmitteln zusammen eingenommen werden dürfen, weil sie miteinander wechselwirken. Einige Neben- oder Wechselwirkungen zeigen sich gravierend und sofort, das sind oft die schon bekannten Folgen, vor denen vom Arzt oder im Beipackzettel gewarnt wird. Andere Medikamente schaden langsam und heimlich. Unbemerkt entziehen sie dem Körper essenzielle Nährstoffe und Lebenskraft.

Obwohl es eine ganze Reihe an schuldigen Wirkstoffgruppen gibt, beschränken wir uns auf ein paar ausgesuchte Beispiele.

Folgende Medikamente können dem Körper Nährstoffe entziehen:

Antidiabetika d.h. Mittel bei Diabetes (z.B. Metformin, Sitagliptin, Glipizid) sorgen für einen Mangel am wichtigen Coenzym Q10 (CoQ10). Vitamin B6 und B12 sowie Folsäure werden ebenfalls langsam zu wenig. Werden die fehlenden Nährstoffe nicht substituiert, kann es zu Herzerkrankungen, häufigen Infektionen, Gedächtnisverlust, einem erhöhten Krebsrisiko und weiteren Komplikationen kommen. Ein Mangel kann auch durch die Einnahme von Statinen (Cholesterinsenker) erfolgen.

Grauer Star, Makula-Degeneration, Leberprobleme:
Sie alle können von einem niedrigen Glutathion-Wert herrühren, einem starken Antioxidans, das Giftstoffe
aus dem Körper entfernt. Wussten Sie, dass die tägliche Einnahme von Paracetamol zum Verlust des Augenlichtes im Alter beitragen kann?

Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid „HCT“, Furosemid)
sollen Wassereinlagerungen aus dem Körper schwemmen. Leider werden auch B-Vitamine, Vitamin C, Zink, Calcium, Magnesium und Kalium mit ausgeschwemmt. Ein Magnesiummangel äußert sich z.B. durch nächtliche Wadenkrämpfe. Von besonderer Bedeutung ist allerdings ein Kaliummangel, denn die richtige Konzentration dieses Elektrolyts ist wichtig für die Herz- und Gehirnfunktion. Neben diesen Medikamenten zur Entwässerung gibt es sogenannte „Kaliumsparenden Diuretika“ wie z.B. Spironolacton oder Triamteren. Eine Kombination beider Medikamente kann sinnvoll sein, um den Kaliumverlust auszugleichen. Mit geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln kannst du dem Vitamin und Nährstoffverlust und somit Osteoporose, Herzerkrankungen, häufigen Infektionen, Depressionen und vielen anderen Folgen entgegenwirken.

Gichtmedikamente (z.B. Colchicin)
rauben uns nicht nur die beiden Vitamine A und B12, sondern auch Kalium und Calcium. Bei andauerndem und stärkerem Mangel kann es zu einem abgeschwächten lmmunsystem, Müdigkeit, Muskelkrämpfen und -schwäche, Ödemen und weiteren Komplikationen kommen.

Gewichtszunahme, Depression, Müdigkeit, Blutarmut, ein Gefühl wie 1000 Nadelstiche:

Grund kann ein Mangel an einem oder mehreren B-Vitaminen sein. Die Speicher werden durch weibliche Hormone (Antibabypille oder Präparate zur Linderung der Wechseljahr-Symptome) Alkohol, Antacida, Medikamente gegen Magengeschwüre, Diuretika, Raloxifen, Cholestyramin und Diabetes-Mittel
geplündert.

Kahle Stellen, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, Erektionsstörungen und chronischer Durchfall:
All diese Erkrankungen können von einem Mangel an Zink herrühren. Zu den häufigsten Nährstoffräubern von Zink gehören entzündungshemmende Mittel, Antibiotika, Antacida, Medikamente gegen Magengeschwüre und Sodbrennen, östrogenhaltige Mittel.

Abführmittel (z.B. Dulcolax®, Laxoberal®, Midrotee®)
unterstützen die natürliche Entleerung des Darms. Werden Abführmittel allerdings übermäßig eingenommen, kann es zum Nährstoffmangel kommen. Je nach dem welches Mittel benutzt wird, entziehen sie dem Körper fast alle Stoffe, die über den Darm aufgenommen werden. Dazu gehören mindestens die Vitamine A, D, E, K, Calcium und Phosphor. Außerdem schädigen sie die gesunde Darmflora und schwächen, unabhängig vom Nährstoffmangel das Immunsystem. Die Substitution hier wird schwierig, wenn der Darm weiterhin mit Abführmitteln gereizt wird. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse trägt nicht nur zu einer gesunden Darmflora und einem starken Immunsystem bei, sondern ersetzt auch langfristig die Abführmittel. Ist man auf eine dauerhafte Anwendung angewiesen, so sollte man lieber zu schonenderen Mitteln greifen. Schonende aber genauso effektive und für langfristige Anwendung geeignete Mittel sind z.B. Flohsamenschalen, Weizenkleie und Leinsamen.

Orlistate und Blutfettsenker
Orlistate (z.B. Xenical®) hemmen im Darm die Verwertung von Nahrungsfetten und dienen der Gewichstreduktion. Ohne Fette verschlechtert sich aber auch die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie der Carotinoide. Medikamente, die gegen erhöhte Blutfettwerte eingesetzt werden (Lipidsenker, z.B. Colestyramin®, Colestipol®), führen ebenfalls zu einer eingeschränkten Versorgung des Körpers mit den genannten Vitaminen. Die im Darm verbleibenden Fette bilden mit Kalzium und Magnesium schwer lösliche Komplexe und verhindern deren Aufnahme in den Körper.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) (z.B. lbuprofen, Aspirin, Naproxen, Diclofenac)
sind Vitamin C-, Folsäure- und Eisendiebe. Herzerkrankungen, Depressionen und ein erhöhtes Risiko von Geburtsschäden, sind nur wenige der möglichen Folgen.

Orale Kontrazeptiva (,,Die Pille‘‘) oder Hormonersatzpräparate,
allgemein östrogenhaltige Hormonmedikamente zur Empfängnisverhütung oder gegen Wechseljahresbeschwerden sind die durch Frauen am regelmäßigsten eingenommenen Medikamente. Dabei rauben sie dem Körper Folsäure, Magnesium, Zink, die meisten B-Vitamine, Vitamin C und die meisten Mineralstoffe. Außerdem schaden sie der nützlichen Darmflora, was schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Ein ausgeprägter Mangel kann sich durch Appetitverlust, Durchfall und Erbrechen, aber auch durch Stimmungsschwankungen bemerkbar machen. Länger als die Liste der zu substituierenden Nährstoffe während und nach der Einnahme dieser Medikamente, ist nur die Liste der möglichen Folgen, wenn man sich tatenlos berauben lässt.

Schilddrüsenmedikamente (z.B. Euthyrox, L-Thyroxin, Jodetten).
Diese Medikamente werden häufig zu leichtfertig verschrieben oder von Patienten zu Gewichtsabnahme missbraucht, ohne die (im Beipackzettel nicht aufgeführten) Nebenwirkungen zu kennen. Fehlt dem Körper langfristig Eisen und Calcium, kann es zur Blutarmut, Schwäche, brüchigen Nägeln, Müdigkeit, Osteoporose und Zahnverfall kommen. Dies sind nur einige wenige Folgen des unbehandelten Mangels.

Medikamente gegen neurologische und psychische Störungen

Psychopharmaka
Die langfristige Einnahme so genannter trizyklischer Antidepressiva führt zu einem Vitamin-B2-Mangel. Beruhigungsmittel wie Diazepam rufen einen Mangel an Niacin hervor.

Vorsicht vor weiteren Nährstoffräubern!

Die aufgezählten Medikamente sind nur einige Beispiele! Auch Genussmittel wie Tabak und Koffein entziehen dem Körper regelmäßig wichtige Nährstoffe. Frage deinen Hausarzt, welche Faktoren es bei dir sein könnten. In der Apotheke findest du individuelle Beratung und geeignete Mittel die dir helfen mit dem Tabakkonsum aufzuhören. Nimmst du andere Mittel, als die hier aufgezählten, oder mehrere Medikamente gleichzeitig, solltest du ebenfalls mit deinem Hausarzt abklären, wie du sinnvoll möglichen Folgen vorbeugen könntest.

Ernährungswissenschaftler teilen Vitaminmangel in sechs Stadien ein:


Stadium eins:
Durch mangelnde Zufuhr an Vitaminen entleeren sich langsam die Vitaminspeicher im Gewebe. Die Vitaminspiegel im Blut bleiben jedoch unverändert. Auch die vitaminabhängigen Stoffwechselprozesse sind noch nicht beeinträchtigt. Allerdings kann ein kurzfristig erhöhter Bedarf nicht mehr gedeckt werden. Beispiel: Vitamin-C-Mangel im Stadium eins führt zu einer Anfälligkeit gegenüber Erkältungskrankheiten.

Stadium zwei:
Die Blutspiegel sind weiterhin normal, aber in den Körpergeweben fällt der Vitamingehalt ab. Beispiel: Bei normalem Blutspiegel ist der Gehalt an Vitamin C in den Abwehrzellen bereits reduziert. Das Immunsystem arbeitet nicht mehr optimal.

Stadium drei:
Auch die Blutspiegel nehmen ab. Vitaminabhängige Reaktionen werden mehr und mehr eingeschränkt. Beispiel: Langfristig ablaufende Umbauprozesse im Körper, die unter anderem zu Krebs führen können, werden vor allem durch einen Mangel an den Vitaminen C, E und Beta-Carotin begünstigt. „Echte“ Mangelsymptome sind noch nicht zu erkennen.

Stadium vier:
Ein Großteil der Körperfunktionen ist jetzt vom Vitamimmangel betroffen. Das führt zu allgemeinen Beschwerden: Beispiele: Müdigkeit, Leistungsschwäche, Appetitverlust, schlechte Wundheilung, Abwehrschwäche.

Stadium fünf:
Die Körperfunktionen, die am meisten auf das fehlende Vitamin angewiesen sind, fallen aus. Erst in dieser Phase kommt es zu „echten“ Mangelsymptomen wie Skorbut oder Rachitis.

Stadium sechs:
Die Mangelsymptome manifestieren sich in ernsthaften Erkrankungen (kompletter Ausfall von Organen) und sind auch mit Vitamingaben nicht mehr rückgängig zu machen.

Die Medikamente absetzen? Auf keinen Fall!

Sind die Medikamente vom Arzt verordnet und die Dosierung gut eingestellt, wäre es viel schlimmer diese abrupt abzusetzen. Bei Schmerz- oder Abführmitteln, die man auf eigene Faust eingenommen hat, kann man versuchen schleichend abzusetzen oder nach Alternativen suchen. Viele natürliche Stoffe bringen denselben Effekt ohne Risiken und Nebenwirkungen. Bei Schmerzmitteln, kann man gemeinsam mit dem Arzt, je nach Art der Schmerzen, geeignete Alternativen finden. Bei Zahnschmerzen helfen z.B. Nelken und bei Kopfschmerzen Pfefferminzöl genauso effektiv wie Paracetamol.

Vorbeugen ist besser als Heilen

Natürlich wäre ein schleichendes, vom Arzt betreutes Absetzen der Medikamente schön, doch was wenn man darauf angewiesen ist? Dann hilft es die Löcher im Damm rechtzeitig und regelmäßig zu stopfen, bevor der Damm bricht. Damit ist gemeint, die entzogenen Vitamine und Nährstoffe dem Körper verstärkt zuführen und das geklaute ersetzen, bevor Krankheiten und Folgeschäden auftreten. Doch vorsicht: vor einer prophylaktischen „Rundumversorgung“ mit Nahrungsergänzungsmitteln ist abzuraten, denn nicht jeder Patient braucht jedes Zusatzpräparat. Informiere dich, welchen Mangel deine Medikamente verursachen und wie du diesen beheben kannst, dann kannst du gezielt behandeln.

 

 

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