„ICH HABE NICHTS ZU VERBERGEN.“

Was für ein Blödsinn!!! Dieses „Sprichwort“ hört man fast täglich, so unreflektiert es genutzt wird, so hartnäckig hält es sich. Schrecklich. Man hat keine Lust mehr auf nichts bringende Diskussionen mit medial verbrannten Zombies und deren strangen Ansichten auf ihre Top Model- , Jungle Camp- und Harz IV TV geprägten Ansichten auf unsere Welt.

Erst denken dann reden, alles andere ist maßlose Zeitverschwendung. „Ich habe nichts zu verbergen“ ist viel, nur nicht zutreffend:

1. Naiv: Einzelne Informationen über EUER LEBEN wie Geburtsdatum oder Hobby mögen harmlos sein. Eine Ansammlung dieser Daten (z.B. aus Facebook, Amazon, Ebay, Instagram, Google u.v.m.) wird von Unternehmen genutzt um Profile über euch und euer Verhalten zu konstruieren, um z.B. mit gezielten Werbungen euer Kaufverhalten vorauszusagen und zu manipulieren. IHR SEID DAS PRODUKT!!!! Glaubt ihr nicht? Jeder von euch hat bestimmt schon mal im Netz gesurft und sich darüber gewundert wieso er oder sie plötzlich etwas angezeigt bekommt, dass man sich letzte Woche erst bei Amazon bestellt oder bei Google gesucht hat. Finde den Fehler… Das hierbei entstehende Missbrauchspotenzial (z.B. für sexuelle Gewalttäter, Stalker/innen oder weitere kriminelle Individuen) wird maßlos unterschätzt.

2. Falsch: Warum geht ihr dann nicht einfach nackt einkaufen, lasst beim Klo-Gang auf öffentlichen WCs die Tür offen oder schreibt eure Bankkarten-Pin nicht direkt auf die Karte um diese nicht zu vergessen??? Nichts zu verbergen? 😂😂

3. Dummheit: Es missachtet den Zusammenhang zwischen Freiheit, Machtverhältnissen und Geheimnissen. Jemand der viel oder alles über uns weiß, kann uns leicht erpressen, denkt mal drüber nach.

4. Verhinderung des Widerstands: Hast du dein ganzes Leben offen gelegt und dich damit erpressbar und manipulierbar gemacht, wirst du es schwer haben dich gegen undemokratische oder unmenschliche Autoritäten zu wehren.

5. Unlogisch: Denn nichts zu verbergen impliziert: wenn du etwas zu verbergen hast, hast du etwas falsches getan dass du jetzt verheimlichen musst. Ein klassischer Inversionsfehler (weit verbreiteter, logischer Fehlschluß), denn auch wenn kriminelle Machenschaften im Verborgenen stattfinden, heißt das noch lange nicht, dass alles was verborgen bleibt, auch kriminell ist.

6. Ignoranz: Geheimnisse sind entscheidend für unsere Identitätsfindung. Wir bewältigen im Alltag unterschiedliche Rollen. Um diesen gerecht zu werden müssen wir selbst entscheiden wer was über uns erfährt. Oder möchtest du dass dein Chef weiß, dass du wegen einer Geschlechtskrankheit oder einer Pilz-infektion zum Arzt musstest?

7. Geschichtsvergessenheit: Hat man nichts zu verbergen und legt alles offen dar, lässt man Folgen radikaler Regierungswechsel ausser Acht. Viele Geschichtliche Ereignisse zeigen, dass gesammelte Infos über verschiedene Bevölkerungen in den Händen von radikalen Regimen ein erschreckendes Missbrauchspotenzial entfalten können.

8. Stigmata: Es vermittelt dass man sich einer Norm unterwerfen muss um „toleriert“ zu werden. Denn wer „komische“ Sachen im Bett macht, Drogen konsumiert oder gern mal einen Krankenschein nimmt weil das Wochenende so hart war, wird sofort in eine Schublade mit Kriminellen gesteckt.

9. Unsolidarisch: Je mehr von euch glauben, dass sie nichts zu verbergen hätten, desto verdächtiger wird es überhaupt Geheimnisse zu haben.

10. Rückwärtsgewandtheit: Ist heute etwas gesellschaftlich akzeptiert, kann es dich morgen schon in Schwierigkeiten bringen. Oder hätten wir vor 20 Jahren jemals gedacht dass eine Krankenkasse mal unsere Beiträge von unseren Ernährungsgewohnheiten abhängig machen?

Seid ihr bis hier hin gekommen ohne etwas zu überspringen, solltet ihr nun einen bunten Strauß an Erwiderungen in der Hand haben um euch gegen dieses lästige „ICH HABE NICHTS ZU VERBERGEN“ zur Wehr zu setzen…

Solltet ihr euch noch nicht mit BigData, Datenkraken etc. auseinander gesetzt haben, wird es Zeit. Wenn nicht jetzt dann nie!!!

ddbnews P.