5. März 2021

Unsere Spitzenleute spinnen. Aber sie spinnen populär.

„Wir geben uns diesem Virus nicht geschlagen, sondern wir reagieren” zitiert die Tagesschau den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und nimmt ihn ernst. Trotz aller erkennbaren Scharlatanerie. – Immerhin, es gibt noch ein paar Medien, die das Spiel durchschauen. Erstaunlicherweise zum Beispiel das Handelsblatt. Wir zitieren als Kommentar zu Söder und Lauterbach Auszüge aus dem „Handelsblatt Morning Briefing“:

„Deutschland teilt sich derzeit auf in den Freistaat Bayern, dessen oberster Gestalter Markus Söder eine Art General Schwarzkopf der Corona-Bekämpfung ist. Er ruft den „Katastrophenfall“ aus. Der andere Teil Deutschlands ist jenes große Gebiet „Nicht-Bayern“, dessen Mitglieder voller Staunen schauen, welche Haken der stürmische Ministerpräsident aus München gerade wieder schlägt. Von Mittwoch an verwandelt Söder „Lockdown light“ in „Lockdown medium“: Schulen ab achter Klasse im Wechsel-Unterricht, strengere Ausgeh-Normen, Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, nächtliche Ausgangssperre in „Hotspots“, Askese zu Silvester. Die anhaltend hohen Infektionszahlen machen auch dem Wohlwollendsten klar, dass die bisherige Covid-Strategie gescheitert ist. Ihr Trick war, mit Gast- und Kulturstätten jene Plätze zu schließen, die just sichere Hygienekonzepte erarbeitet hatten. „Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen“, kommentiert George Bernard Shaw.“

„Was Söders CSU in Bayern vormacht, ist für den obersten Gesundheitsexperten der SPD nur ein Anfang. Karl Lauterbach schlägt auch vorgezogene und längere Schulferien vor sowie ein Schließen der Geschäfte zumindest nach Weihnachten. Das „Alkoholfest“ Silvester könnte eine dritte Welle einleiten, warnt er – und fordert baldigst eine neue Ministerpräsidentenkonferenz. Sonst würden bis Ende Januar 25.000 Menschen sterben. „Wir fangen an, uns an fast 500 Tote am Tag zu gewöhnen, das sind aber vermeidbare Einzelschicksale“, twittert Lauterbach. Falls es diese Woche doch nichts mit dem geforderten politischen Corona-Gipfel werden sollte, werden wir den streitbaren Mediziner sicherlich umso häufiger in Talkshows erleben.“

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