5. März 2021

Unter dem Weihnachtsbaum: Der Hunger und die kannibalistische Weltordnung

Foto über dts Nachrichtenagentur

Weihnachten gilt als Fest der Liebe und der Hilfsbereitschaft, dabei ist das ganze Jahr über kein Lebensbereich auszumachen, in dem nicht durch ehrenamtliches Engagement und private Spenden geholfen werden muss. In Deutschland sind die rund 580.000 Vereine (1), die sich in den unterschiedlichsten Bereichen der Kunst, Kultur, Bildung, des Sports, des Umwelt- und Tierschutz, der Demokratiesierung et cetera einsetzen und die zahllosen Initiativen und Hilfsorganisationen, die sich um Bedürftige kümmern, ein Indiz für soziale Schieflagen und flächendeckenden Mangel. Verkürzt gesagt: Weder die Bürokratie, noch das Recht oder Politik und Wirtschaft halten die Gesellschaft zusammen, sondern der freiwillige persönliche Einsatz ist der Klebstoff im sozialen Gebilde.

Unglaubliche viele Menschen sind gewillt, temporäre Not und anhaltendes Elend zu lindern, belegt durch die Hilfs- und Spendenbereitschaft und die über 30 Millionen Freiwilligen, die sich in Deutschland ehrenamtlich engagieren (2). Dabei weiß praktisch jeder von ihnen, oder sollte es zumindest wissen, dass Hilfe nicht mit Abhilfe gleichzusetzen ist. Dies gilt vor allem für die Unterversorgung mit Nahrung.

Zum Fest der Liebe

In den Programmatiken der Hilfsorganisationen, die sich dem Hunger angenommen haben, ist in der Regel sinngemäß die Rede davon, dass, wenn schon die Lage schwierig und teilweise aussichtslos sei, Zuversicht vermittelt werden könne: Spenden zu Weihnachten sind zielführend. Wir selbst, jeder einzelne von uns, könne helfen, heißt es. Und niemand solle dabei vergessen, so klingt es aus den Ansprachen, wie gut es ihm doch geht im Europa des Wohlstands. Das stimmt, wenn auch der Überfluss eben nicht bei allen ankommt, sonst würden die rund 950 Tafeln in Deutschland wohl kaum Lebensmittel an über 1,6 Millionen Menschen ausgeben (3).

Während in allen Ecken des Globus Leid, Elend, Not und Hunger zu finden sind und erklärtermaßen so viele üble Lebenslagen existieren, kommt die Frage in den Sinn, warum die unhaltbaren Zustände nicht radikal beseitigt werden? Wieso wird an Syntomen herumgedoktert statt über die Ursache zu diskutieren, die en passant dafür sorgt, dass den Hilfsorganisationen die Aufgaben nicht ausgehen?!

Die Wurzel für den Mangel, die scheinbare Unmöglichkeit, Grundbedürfnisse wie Essen, Kleidung, ein Dach über dem Kopf und so weiter jedem erfüllen zu können, ist – und da wird kein Geheimnis verraten – in der kapitalistischen Wirtschafts- und Eigentumsordnung auszumachen. Verknappung, Unterversorgung oder die Erzeugung künstlichen Mangels sind Techniken, denen sich bedient wird, um Profit zu erzielen. Dieser wird zur alles beherrschenden Größe, weil im weltumspannenden Kapitalismus alles und jeder zur Ware wird: auch das Elend, die Not und der Hunger sind ein Geschäft.

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https://neue-debatte.com/2020/12/24/unter-dem-weihnachtsbaum-der-hunger-und-die-kannibalistische-weltordnung/