4. März 2021

Versorgungskrise: Kliniken sind nicht überbelegt, sondern unterbesetzt

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Überlastete Intensivstationen, überarbeitetes Personal, Verlegungschaos für Patienten: Immer mehr Kliniken in Deutschland warnen vor einem Notstand. Der Landkreis Oder-Spree in Brandenburg verkündete kürzlich sogar ein Großschadensereignis und band den Katastrophenschutz ein. Das liege einzig an immer mehr schwer an COVID-19-Erkrankten, so die Erzählung. Mit anderen Worten: Das Virus sei schuld.

Ein Blick auf die neuesten Zahlen der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) offenbart allerdings etwas ganz anderes: Zumindest 284 Kliniken des Verbandes, die rund ein Sechstel der deutschen Krankenhäuser abbilden, versorgten in diesem Jahr bis Ende November (Kalenderwoche 48) normal wie auch intensivmedizinisch weniger Menschen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zudem wurden weniger beatmet. Die Gesundheitskrise hat offenbar einen anderen Grund. Und der ist sogar seit Langem bekannt.

Dass die Krankenhäuser eine Überlastung beklagen, liegt daran, dass sie trotzdem überlastet sind. Es fehlt seit Langem zunehmend an Personal. Grund dafür ist wiederum, dass die Krankenhäuser mit ihren Fallpauschalen rentabel wirtschaften müssen. Andernfalls droht ihnen finanziell die Pleite. Denn Personal ist für sie – ob privat oder kommunal – ein Kostenfaktor, der die Gewinne schmälert und die Einrichtungen zuweilen in die roten Zahlen treibt. Deshalb verschwinden zusehends wenig lukrative und betreuungsintensive Bereiche, wie Kinderstationen und Kreißsäle, als Folge von Entscheidungen des Managements. Wenn noch dazu aktuell viele Pflegekräfte in Quarantäne sitzen, wächst der Notstand.

Ob die Not so dramatisch ist, wie stets kolportiert wird, scheint trotzdem fraglich. In Bremen verkündete der städtische Klinikverbund Gesundheit Nord kurz vor den Feiertagen, dass er ab kommendem Jahr Personal abbauen werde. Der Grund: Die Krankenhäuser seien nicht hinreichend ausgelastet. So stellt etwa das Krankenhaus im rheinland-pfälzischen Ingelheim seinen Betrieb zum Jahresende ein.

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