20. Januar 2021

112-Peterson: Die EU und der Turmbau zu Babel

Jordan B. Peterson wurde 2017 von einem User gefragt, was seine Gedanken zum Brexit seien. Wir geben Petersons damals geäußerte Ideen an dieser Stelle wieder, da sie an Aktualität nichts eingebüßt zu haben scheinen:

Innerhalb meiner Bibel-Vortrags-Reihe habe ich auch die Geschichte des Turmbaus zu Babel analysiert. Sie hat mich besonders interessiert. Im Mythos tun sich Leute zusammen und beschließen, ein massives Gebäude zu bauen. Alle sprechen mit einer Stimme und haben die utopisch anmutende Vision, dass sie ein Gebäude bauen können, das so hoch ist, dass alle darin die gleiche Sprache sprechen und es bis in den Himmel reicht. Und so könnte man es in gewisser Weise als einen Versuch sehen, sich das Transzendente anzueignen.

Ich habe es als einen frühen Vorläufer der Geschichte gelesen, die John Milton in „Paradise Lost“ erzählt hat. Dort geht es darum, dass Satan – Gottes höchster himmlischer Engel, das hellste Licht in der psychischen Hierarchie, könnte man sagen, und der Geist der ungehemmten Rationalität – entscheidet, dass er im Himmel Krieg führen und Gott, also das ultimativ Transzendente, überwinden kann.

Ich lese diese Geschichte als eine warnende Erzählung über den Stolz, der mit intellektuellen Fähigkeiten einhergeht, derselbe Stolz, der die totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts hervorbrachte. Beim Turmbau zu Babel beginnen die Menschen, eine einheitliche homogene Struktur zu bauen, deren Spitze in Gottes himmlische Domäne hineinreicht und dadurch vielleicht die Möglichkeit erhält, den Platz des Transzendenten einzunehmen. Gott bekommt Wind davon, begibt sich zur Erde und verwandelt die Menschen, die das Gebäude bauen und am Ende bewohnen wollen, in Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen und verstreut sie dann über die ganze Welt.

Warnung vor dem Gigantismus

Ich glaube, die Bedeutung dieser Geschichte ist, dass, wenn man versucht, eine homogene totalitäre Struktur aufzubauen, die das Transzendente an sich reißt, sie von innen heraus verrotten wird. Ich denke, es ist als eine Warnung vor dem Gigantismus zu lesen. Und um auf Europa zu sprechen zu kommen: eines der Dinge, die dort geschehen, ist, dass wir die Torheit der Idee „too big to fail“ sehen. Wir sehen stattdessen: „So groß, dass es sicher scheitern wird.“

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https://www.achgut.com/artikel/112_peterson_die_eu_und_der_turmbau_zu_babel