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Frankreich: Drohende Stromabschaltungen bei Kälte und Windstille

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Der Betreiber des französischen Stromnetzes, RTE S.A., warnt auf seiner Homepage vor möglichen Engpässen bei der Stromversorgung. Eine Kälteperiode oder eine längere Flaute könnten Abschaltungen nötig machen. Ein Viertel der Kernkraftwerke steht derzeit still.

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„Die europäische Energiekrise hat sich durch einen weiteren Anstieg der Gaspreise weiter verschärft. … Selbst wenn das französische Stromnetz kaum von fossilen Brennstoffen abhängig ist, ist es doch eng mit seinen Nachbarn verbunden und daher von dem Preisanstieg betroffen.“

Das schreibt der Betreiber des französischen Stromnetzes, RTE S.A., auf seiner Webseite und warnt in der Folge vor möglichen Engpässen. Obwohl die Mehrzahl der französischen Kernkraftwerke, die momentan vom Netz sind, nur planmäßig gewartet werden, musste Frankreich bereits seit November Strom importieren.

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„Sehr hohe Importwerte am Rande des technisch Möglichen wurden beispielsweise am 20., 21. und 22. Dezember 2021 verzeichnet.“

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Bis in den Januar hinein werden 4,5 Gigawatt Stromleistung fehlen. „Die absehbare Produktion der französischen Kernkraftwerke wird von RTE jetzt für den größten Teil des Januars auf 43 bis 51 Gigawatt geschätzt: Das ist der niedrigste Wert, den die französische Kernkraft zu dieser Jahreszeit je erreichte.“

Das Netz könne im Januar in eine kritische Lage geraten. „Unsere aktuelle Diagnose zeigt, dass im Falle eines Kälteeinbruchs (im Bereich von 4 Grad Celsius unter dem Normalwert) oder einer Lage mit extrem geringem Wind auf dem europäischen Kontinent der Rückgriff auf … Maßnahmen wie die Versorgungsunterbrechung bei großen industriellen Abnehmern oder ein Spannungsabfall in den Versorgungsnetzen wahrscheinlich sind. Im Falle einer Kombination beider Faktoren seien sie sogar beinahe sicher.“

Die letzte mögliche Maßnahme im Falle einer Kälteperiode mit Windstille über mehrere Tage oder eines weiteren Einbruchs bei den Stromerzeugungskapazitäten wäre die Stromabschaltung für einen Teil der Verbraucher. Das sei aber nicht mit einem Blackout gleichzusetzen, so RTE. „Es ist eine Maßnahme, die von RTE kontrolliert und von den Stromversorgern in Zusammenarbeit mit der staatlichen Verwaltung umgesetzt wird, und die örtlich und zeitlich begrenzt ist (maximal zwei Stunden) und sensitive Verbraucher (insbesondere den Gesundheitssektor) ausnimmt.“ Die Wettervorhersage für den Beginn des Januars sei bisher günstig.

Die Formulierung „letzte mögliche Maßnahme“ hat der französische Netzbetreiber mit Bedacht gewählt. Wenn kontrollierte Abschaltungen nicht ausreichen, aus welchem Grund auch immer, droht tatsächlich ein Blackout. Danach ist ein Wiederanfahren des Stromnetzes aber keine Frage von Stunden, sondern, wie in Texas am Anfang des Jahres, von Wochen.

Französische Konsumenten können sich jederzeit über die Warnlage des Stromnetzes informieren. Im Gegensatz dazu ist das deutsche Stromnetz auf viele unterschiedliche Betreiber aufgeteilt, sodass weder eine entsprechende zentrale Prognose möglich ist noch eine ähnliche Informationsmöglichkeit besteht.

Die französische Warnung bedeutet für Deutschland, dass im Falle einer entsprechenden Wetterlage, die für das deutsche Stromnetz noch weit stärkere Auswirkungen hätte als für das französische, nicht auf Stromimporte aus Frankreich zurückgegriffen werden kann, wie das bisher der Fall war.

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Quelle

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