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Gesteuerte Angst

Ängste begleiten uns unser Leben lang. Kein Wunder, dass auch die BRD-Politik unsere Ängste schürt, im vollen Bewusstsein uns damit steuern zu können.

Sei es die Angst vor dem Tod, dem Fliegen, Alleinsein, Verlust der Arbeit, Geld oder einer Freundschaft: sie ist allgegenwärtig. Verlustangst, Angst vor einem Überfall, vor der Zukunft, vorm Dunkel, vor Schmerz und Verletzung, Hunden, Blasenschwäche, der Öffentlichkeit, einer Blamage, Angst vor Krebs, vor falscher Ernährung, vor der Injektionsnadel, dem Ertrinken, vorm Ersticken, Dickwerden, vorm Zahnarzt. Existenzängste, Höhenangst, Prüfungs- und Versagensangst. Angst vor Links, vor Rechts, vor dem Volk, der ReGIERung und letztlich auch die Angst vor Fremdem und vor Fremden. Selbst die Angst vor der Angst. Die Liste scheint wohl schier unendlich.

Angst: das Gefühl der „Unheimlichkeit“ und des „Ausgesetztseins“ in der Welt. Oft geht Angst mit psychischen Störungen einher. Doch sie ist auch nützlich: Ohne Angst hätten die Menschen früher nicht überleben können. Das Wort „Angst“ stammt vom griechischen Verb „agchein“ und dem lateinischen „angere“ ab. Beides heißt übersetzt „würgen“, „die Kehle zuschnüren“. Über die Psychoanalyse und Existenzphilosophie hat sich das deutsche Wort international eingebürgert, etwa im Englischen als „angst“. Während Furcht klar auf eine äußere Gefahr hin ausgerichtet ist, gilt Angst als unbestimmt. In der Psychologie wird zwischen Angst als Zustand (state anxiety) und Angst als Eigenschaft (trait anxiety) unterschieden. Während die Zustandsangst eine vorübergehende Emotion infolge einer realen Gefahr ist, führt die „trait anxiety“ dazu, dass Situationen auch ohne akute Bedrohung als gefährlich eingeschätzt werden.

Die Angst ist ein Gefühl, dass uns vor Gefahren warnt, gleich ob sachlich begründete oder nur eingebildete. Sie hilft uns, unser Wohlbefinden zu sichern, unsere Gesundheit und das Überleben. Angst lähmt oder – im Gegenteil – verleiht uns Kraft, um sich einer Bedrohung zu stellen. Im Extremfall schaltet sie unsere Vernunft aus. Dann entsteht Panik. Wenn eine Angstreaktion unverhältnismäßig ist und schwerlich überwunden werden kann, spricht man von einer Phobie. Auch hier ist das Spektrum groß. So gibt es beispielsweise Arachnophobie bei Spinnenfurcht und Soziophobie, wenn jemand Angst hat, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, weil er Peinlichkeiten befürchtet.

Babys haben keine Angst

Unter den Menschen völlig frei von Angst sind einzig Babys. Neugeborene schreien nur deshalb, weil sie Hunger empfinden, Kälte oder Schmerz, oder weil ihnen die kuschelige Nähe der Mutter fehlt. Sie schreien nicht aus Angst. Erst mit dem achten Lebensmonat kommt sie auf, die Angstfähigkeit. So auch die Furcht vor Fremden, das sogenannte „Fremdeln“. Dies geschieht als Ergebnis der Hirnreifung, ganz spontan, ohne irgendwann zuvor eine unangenehme Erfahrung gemacht zu haben. Neugeborene haben eine Hirnmasse von etwa 350 Gramm. Erwachsene haben etwa das Vierfache in der Schädelhöhle. Hierbei nimmt aber nicht die Anzahl an Zellen nimmt zu, Die Fortsätze der Zellen verzweigen sich immer mehr, knüpfen dabei Kontakte zu anderen Nervenzellen, die sogenannten Synapsen. Das lässt die Hirnmasse insgesamt wachsen. Nicht irgendwie, sondern nach genetischem Programm. Aus der programmgemäßen „Verdrahtung“ ergeben sich oft ganz automatisch Fähigkeiten, die vordem nicht nachweisbar sind. So eben auch die Angstfähigkeit.

Sämtliche seelische und Sinnesgefühle, für damit zusammenhängende Handlungsantriebe und ebenso für die Intelligenz und die Lernfähigkeit gehen auf dieses Prinzip zurück. Wie Sollte man auch das Sinnesgefühl für die Farben Rot oder Blau, für Laut und Leise, für den Schmerz oder für Freude oder Scham oder Zorn lernen können? Wie sollten Mutter und Vater ihr Kind lehren, im passenden Moment Angst zu haben beziehungsweise mit unbegründeter Angst umzugehen? Eltern wissen ja selbst nicht, wie das mit dem Angsthaben „geht“. Keiner weiß das. Sich sprachlichen auszudrücken, das bringt man seinem Kind bei. Wenn es in der BRD aufwächst und ihm mulmig ist, weil etwas „nicht stimmt“, dann lernt es dafür zu sagen: „Ich hab Angst“ − „I’m scared“ in England, „мне страшно“ in Russland und „我很害怕“ in China.

Für das Empfinden von Angst genügt interessanterweise schon das von Angst gezeichnete Gesicht eines anderen Menschen. Mit bildgebenden Verfahren lässt sich zeigen, dass ein und derselbe Hirnbereich, in dem sich bei realer Bedrohung das Angstgefühl entwickelt, allein schon beim Beobachten der Angstreaktion eines Gegenübers aktiv wird. Man spricht von „Spiegelneuronen“. Wesentlich für das Angstgefühl sind die sogenannten Mandelkerne (Amygdalae) in der Tiefe des Schläfenlappens. Dort auch können wir die Angst eines Anderen mitempfinden.

Die Angst als Hebel

Die bloße Vorstellung einer furchtauslösenden Situation, reicht oft schon aus, um die Mandelkerne zu aktivieren und ein entsprechendes Schutzverhalten zu aktivieren. Bei der Erziehung unserer Kinder spielt der Umgang mit der Angst eine wichtige Rolle. Mit drohend erhobenem Finger heißt es: „Wenn du nicht…, dann…!“ Und nicht zuletzt gehören Ängste zu den wichtigsten Machthebeln in den Religionen und in der Politik. Da ist es die Angst vorm Teufel oder die Angst zu sündigen, und dort die Angst vor dem Feind, vor Verlust an Rechten oder an Vermögen, oder – zeitgemäß − die Angst vorm Klimawandel oder einer Ansteckung mit Coronaviren.

Allem Anschein nach teilen wir die Angstfähigkeit mit vielen Tieren, nicht nur mit Angst-Hasen. Wenn ein Hund weinerlich kläfft, den Schwanz einzieht und zitternd auf dem Bauch kriecht, dann sind das sehr wohl Zeichen von Angst. Obschon uns der Hund nicht direkt sagen kann, dass er Angst hat, und warum und wie er sie empfindet. Wie erst ist das bei einer Kohlmeise, die auffliegt, sobald wir uns ihr nähern? Oder bei einer Forelle im Bach, die bei einem Steinwurf Reißaus nimmt? Tun das diese Tiere aus Angst? Denken wir an eine Fliege, die entfleucht, sobald wir über ihr die Hand heben. Inwieweit, müssen wir uns fragen, sind Tiere überhaupt zu seelischen Gefühlen befähigt, zur Subjektivität? Wenn sie doch ein Mienenspiel hätten, diese Mitgeschöpfe, allzumal eines, das wir deuten könnten!

Die Mimik unserer Mitmenschen zu deuten, haben wir bereits im Kindesalter gelernt. Und auch später noch so manches hinzuerfahren. Allerdings entsteht ein Problem, wenn jemand sein Gesicht verbirgt. Durch eine Maske zum Beispiel. Da müssen wir uns fragen, was geschieht unseren Kindern, wenn in Corona-Zeiten die Mund-Nase-Partie der Mitmenschen durch Masken verdeckt ist? Können sie später, wenn alles wieder normal sein sollte, noch ausreichend lernen, Mimik zu deuten? Die uns verrät, dass unser Gegenüber Angst hat oder auf etwas stolz ist oder sich schämt. Was, wenn ein Kind, ein Einzelkind zumal, anstelle mit anderen Kindern zur Schule zu gehen, in der heimischen Isolation unterrichtet werden muss? Jeder mag sich dazu seine eigenen Gedanken machen. Allen voran die Pädagogen, die Psychologen und die Psychotherapeuten. Und unsere Politiker? Die haben gelernt, wie die Angst vor einer Ansteckung mit Corona-Viren die Menschen verändert, ja, wie sie ihr Volk (noch) willfähriger macht. Liegt es da nicht nahe, diese Angst zu pflegen?

Quelle: Achgut