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Heimlich Funktion von Smartphones eingeschränkt: Apples Verbeugung vor Peking

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AirDrop ist ein nützliches Tool auf Apple-Geräten. Es kann zum Austausch bei Protesten verwendet werden. Im November schränkte Apple es für Smartphones ein – aber nur in China
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Seit dem Wochenende kommt es in mehreren chinesischen Städten und auf Universitätsgeländen zu großen Protesten wegen der Null-COVID-Politik. Die Teilnehmer müssen jedoch auf ein bei Demonstrationen beliebtes Kommunikationsmittel verzichten – weil Apple dessen Nutzung Anfang November in China eingeschränkt hat.

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Spezialversion für China

Am 9. November gab Apple eine Aktualisierung seines mobilen Betriebssystems (iOS 16.1.1) für Kunden frei. Die Empfehlung lautete: „Dieses Update enthält Fehlerbehebungen und Sicherheitsupdates und wird allen Benutzern empfohlen.“ Warum es keine detaillierte Auflistung der Aktualisierungen gab, wie sonst üblich bei größeren Veränderungen im Betriebssystem, ist nicht bekannt.

Dieses Update beinhaltet eine wichtige Änderung, die nur für iPhones gilt, die auf dem chinesischen Festland verkauft werden.

Verschickt man Dateien über AirDrop an Personen, die nicht in den eigenen Kontakten, aber in der Nähe des eigenen Gerätes sind, funktioniert dies nur noch zehn Minuten lang. Danach deaktiviert sich die Funktion automatisch. Bisher war die Freigabeoption „Für Jeden“ dauerhaft eingestellt. Diese Einschränkung greift momentan nur in China.

Auf Nachfragen reagierte Apple nicht. Möglicherweise steht die Einschränkung in Zusammenhang mit der jüngst begonnenen dritten Amtszeit von Xi Jinping. Denn erstmals gab es an einigen Stellen öffentlichen Protest gegen den Machthaber.

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AirDrop als wichtiges Transportmittel

AirDrop, die hauseigene Übertragungsfunktion von Apple, ermöglicht den Versand von Dateien mittels Bluetooth oder WLAN.

Das funktioniert, weil AirDrop auf direkten Verbindungen zwischen Telefonen und Endgeräten beruht und ein lokales Netzwerk von Geräten bildet. Sie brauchen das Internet nicht zur Kommunikation. Demonstranten vieler autoritärer Länder nutzen es, um Zensur zu umgehen und Informationen zu teilen.

Bei Demonstranten in Hongkong hat sich diese Art von Kommunikation als sehr effektiv erwiesen. Die Menschen nutzten sie zur Verbreitung verschiedenen von Zensur betroffener Informationen und auch zur Verbreitung von Botschaften an Touristen vom chinesischen Festland.

Auch in China verbreiteten sich durch AirDrop für die KP Chinas heikle Informationen. Ein Demonstrant entzündete im Vorfeld der dritten Amtseinführung von Xi Jinping ein Feuer auf einer Brücke in Peking, um auf seine Transparente aufmerksam zu machen. Auf einem stand: „Streikt in der Schule und am Arbeitsplatz, setzt den Diktator und Landesverräter Xi Jinping ab“.

Hinweise auf die Spruchbänder zensierte das chinesische Internet schnell. Fotos gelangten dennoch über private Kanäle in Umlauf. Dem amerikanischen Nachrichtenportal „Vice“ zufolge verbreiteten sie sich mittels AirDrop in U-Bahnen in Shanghai.

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Apple unterwirft sich der Partei

Apples Marktanteil bei den chinesischen Verbrauchern wächst. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys lag dieser im letzten Quartal bei 16 Prozent für iPhones – gegenüber 11 Prozent vor einem Jahr. Während sich andere Großkonzerne wie Google oder Facebook vom Regime in Peking distanzieren, nähert sich Apple wohl eher an.

Für Wirtschaftsethikerin Alicia Hennig vom Internationalen Hochschulinstitut Zittau der Technischen Universität Dresden ist das Unternehmen stark von Peking abhängig: „Facebook hat sich zurückgezogen, Google hat sich zurückgezogen. Apple hat sich angepasst.“ Das „Handelsblatt“ zitiert sie auch mit den Worten: „Peking weiß, dass Apple keine Alternative zu China hat. Apple ist der Willkür der Partei unterworfen.“ Und: „Wer sich heute auf dem chinesischen Markt tummelt, dem muss klar sein, dass er nach der Pfeife der Partei tanzen muss.“

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Quelle

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