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Kältere Schwimmbäder werden für Kinder zum Problem

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Babyschwimmkurse werden gestrichen, und viele ältere Kinder steigen mit wärmenden Neopren-Anzüge in die kühleren Becken: Die wegen der Energiekrise abgesenkten Wassertemperaturen in Hallenbädern treffen besonders die Kleinen. DLRG und Schwimmclubs sehen eine Grenze erreicht.

In Hessens Schwimmhallen kommen die Badegäste derzeit schneller ins Bibbern. Schuld sind die im Zuge der Energiekrise vielerorts abgesenkten Wassertemperaturen. Von meist 29 auf 26 Grad – das klingt erstmal nicht viel. Macht in puncto Behaglichkeit aber schon einen Unterschied.

Die Folgen bekommen vor allem Kinder in ihren Schwimmkursen zu spüren: Die kälteempfindlichen Anfänger müssen beim Sprung ins kühle Nass nun besonders auf die Zähne beißen – oder vorher in einen wärmenden Neopren-Anzug schlüpfen.

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Babyschwimmen fällt aus

Die Wassergewöhnungskurse für die ganz Kleinen, das sogenannte Babyschwimmen, fällt dagegen meist komplett aus, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Hessen berichtet. Nach den Einschränkungen und Schließungen wegen der Corona-Pandemie ist das der nächste Rückschlag für betroffene Eltern und Kinder.

„Jeder Badegast, der die Temperaturen akzeptiert, trägt dazu bei, Energie einzusparen. Das ist im Moment wichtig“, wirbt Elke Liedtke, stellvertretende Leiterin des Taunabads in Oberursel (Hochtaunus), um Verständnis. Auch hier wurde die Wassertemperatur gesenkt. Das normalerweise auf 32 Grad beheizte Planschbecken bleibt indes ganz leer. „26 Grad wären für die Allerkleinsten einfach zu kühl“, sagt Liedtke. Das Babyschwimmen ist deshalb vorerst gestrichen.

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DLRG: Besser kühler als geschlossen

Der DLRG gefällt das alles zwar nicht. Doch der Landesverband Hessen macht notgedrungen mit: besser kühlere Becken als geschlossene Bäder, erklärt DLRG-Präsident Michael Hohmann. Denn auch dieses Szenario wurde öffentlich diskutiert.

„Der Sport und das Schwimmenlernen muss möglich bleiben“, fordert Hohmann. Geöffnete Schwimmbäder seien wichtig, um unter anderem die gewaltige Nachfrage nach Schwimmkursen zu bedienen. „Sonst türmt sich dieser Berg immer weiter auf“, warnt Hohmann.

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Achtung bei Neopren-Anzügen

Wer einen Platz in einem Schwimmkurs bekommt, kann sich glücklich schätzen. „Denn sobald Termine ausgegeben werden, sind die Kurse meist in Windeseile belegt“, berichtet der DLRG-Präsident. So auch im Oberurseler Taunabad: Zehn Schwimmkurse bietet der örtliche Schwimmclub derzeit an, Anfragen habe es für rund 15 Kurse gegeben.

Daran änderten auch die gesenkten Wassertemperaturen nichts. 26 Grad seien gerade noch zumutbar für die etwas größeren Kinder. „Wir erwarten deshalb keine Krankheitswelle“, sagt Hohmann. „Meist macht es den Kids weniger aus als den Eltern.“

Viele Eltern wollen ihren Kindern aber etwas Gutes tun und statten sie mit wärmenden Neopren-Anzügen aus. Doch DLRG-Präsident Hohmann gibt zu bedenken: „Neopren-Anzüge sind okay, aber sie geben auch Auftrieb. Wenn die Kinder dann ohne sie schwimmen, sollte beobachtet werden, wie sie klarkommen.“ Geringerer Auftrieb müsse durch eigenes Schwimmvermögen ausgeglichen werden.

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„Limit des Zumutbaren erreicht“

Peter Haas, Vorstand des Schwimmclubs Oberursel, kritisiert die vom Städte- und Gemeindebund empfohlene Wasserabkühlung: „Es kann nicht sein, dass die kleinen Kinder, die Schwimmen lernen sollen, darunter leiden.“ Mit der Reduzierung der Temperatur auf 26 Grad sei nun das Limit des Zumutbaren erreicht. Wenn sich die Lage verschlimmere und weiter Kurse ausfielen, riskiere man eine Generation von Nichtschwimmern.

Auf lange Sicht – und bei höherer Versorgungssicherheit mit Energie in Deutschland – fordert auch die DLRG wieder die wärmeren Wassertemperaturen in den Becken.

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Quelle

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