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„Kollektives Versagen“ beim Meeresschutz

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Fünf Tage lang standen die Weltmeere, ihr Zustand und ihr Schutz im Mittelpunkt einer Konferenz in Lissabon. In der Abschlusserklärung wird „kollektives Versagen“ benannt und mehr Ehrgeiz bei der Suche nach Lösungen gefordert
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Am Anfang waren starke Worte: UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von einem Notstand der Meere, menschengemachten Problemen, und davon, dass die Menschheit die Pflicht habe, die Probleme wieder zu lösen. Und der Klimabotschafter und ehemalige Außenminister der USA, John Kerry, warnte: „Wenn wir keine Antworten finden, bleibt dies alles Rhetorik, diese Treffen landen auf dem Müllhaufen der Geschichte, weil folgende Generationen uns fragen werden: ‚Was zum Teufel hast du getan? Warum hast du es nicht getan? Hast du die Arbeit erledigt?'“

Schon vor der Konferenz hat es klare Ziele gegeben: Bis 2030 sollen 30 Prozent der Meere unter Schutz stehen, Meeres- und Küstenökosysteme geschützt, die Fischereiwirtschaft nachhaltiger werden.

Manuel Barange, der Chef der Abteilung Fischerei und Aquakultur bei der Welternährungsorganisation, meldete auch Fortschritte: „Der Anteil von Aquakulturen wächst auf allen Kontinenten. Dabei sinkt der Anteil, der nicht für den direkten menschlichen Verzehr gedacht ist, wodurch die Produktion von Nahrung effizienter geworden ist – das ist schon eine blaue Transformation.“

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Verbot von Tiefseebergbau

Ein Hauptanliegen vieler NGOs ist ein umfassendes Verbot von Tiefseebergbau. Internationale Großkonzerne hatten das bei der ersten Ozeankonferenz in New York vor fünf Jahren zurückgewiesen. Es geht um wertvolle Rohstoffe wie Mangan, Nickel, Kupfer und seltene Erden.

Sean Owen von der Umweltschutzorganisation Deepsea Conservation argumentiert für ein vorbeugendes Verbot: „Noch gibt es keinen Unterwasserbergbau, aber er stellt ein enormes Risiko für die Ozeane dar. Er würde noch verschlimmern, was wir schon angerichtet haben: Meeresverschmutzung, Überfischung und Klimawandel. Das ist eine Grenze, die wir nicht überschreiten sollten. Wir müssen unsere Ozeane schützen und dafür sorgen, dass sie sich erholen.“

Gerade da gebe es positive Impulse, sagte die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke in Lissabon: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bei seinem Auftritt Gesetze gegen Tiefseebergbau gefordert, das sei ein starkes Statement. Sie selbst habe daran mitgewirkt, dass die G7 schon große Hürden für Tiefseebergbau vereinbart hätten.

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Umweltschützer: Eine vertane Chance

Umweltorganisationen sehen die Ozeankonferenz in Lissabon trotzdem als vertane Chance: Die verabschiedete „Erklärung von Lissabon“ sei unverbindlich. Es sei völlig unklar, ob angekündigte freiwillige Maßnahmen auch umgesetzt würden. In die gleiche Kerbe schlägt Greenpeace.

Die Vereinten Nationen müssten endlich ein bindendes Abkommen verabschieden, sagte Laura Meller von der Organisation: „Ein starkes globales Meeresabkommen, das es uns ermöglicht, ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten zu schaffen, um bis 2030 mindestens ein Drittel der Weltmeere zu schützen. Im August in New York bei den Vereinten Nationen schlägt die Stunde der Wahrheit.“

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Quelle

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