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Kuba beginnt Devisenankauf mit 120 Pesos pro Dollar

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Staat möchte mit offiziellem Devisenmarkt Schwarzmarkt zuvorkommen. Kurs fast fünfmal höher als offizieller Wechselkurs. Warnungen vor Inflation
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Havanna. In einer Sondersendung hat Kubas Zentralbank vergangene Woche den Start eines neuen Devisenmarkts bekannt gegeben. Dieser begann am Donnerstag in einer ersten Phase mit dem Ankauf, in einem späteren Schritt sollen Fremdwährungen auch abgegeben werden.

Für Aufsehen sorgte der neue Wechselkurs, der mit 120 Pesos pro Dollar über dem des Schwarzmarkt angesetzt ist. Für Besucher bedeutet dies, dass die Zeiten des illegalen Geldwechsels zu Ende gehen.

Seit Beginn der Währungsreform am 1. Januar 2021 arbeitet Kubas Wirtschaft mit einem fixen Wechselkurs von 24:1 zum US-Dollar. Da die Nachfrage nach Devisen das Angebot bei weitem übertrifft, hat sich in den vergangenen 18 Monaten ein informeller Markt herausgebildet, wo ein Dollar derzeit für 115 Pesos gehandelt wird. Praktisch sämtliche Preise, die nicht zentral festgelegt sind, haben sich mittlerweile entlang dieses informellen Kurses ausgerichtet.

Der Staat hat den Verkauf von Devisen mit der Währungsreform gänzlich eingestellt, ab Juni 2021 wurde auch die Annahme von baren US-Dollar verweigert. Andere Währungen konnten jedoch weiterhin für den unnatraktiven offiziellen Wechselkurs von 24:1 getauscht werden.

Dieses Geschäft will der Staat künftig nicht mehr dem Schwarzmarkt überlassen. Wie Wirtschaftsminister Alejandro Gil erklärte, stelle der Devisenmarkt „ein fehlendes Element im Funktionsmechanismus der Wirtschaft dar“, was sich nun zu ändern beginnt.

Ab dem heutigen Donnerstag können Kubaner wie Touristen in Bankfilialen und Wechselstuben (Cadeca) ihre Devisen zu einem attraktiven Kurs an den Staat verkaufen. Zu Beginn ist der Wechselkurs, der sich dynamisch entwickeln wird, auf 120:1 gegenüber dem Dollar festgelegt. Aufgrund der geltenden Finanzsaktionen in Verbindung mit der Nutzung der US-Währung kommt auf den Dollar jedoch eine Gebühr von acht Prozent, während für die übrigen Währungen nur zwei Prozent Kommission verlangt werden.

Für einen Dollar erhält man damit anhand des Kurses vom 2. August 110,4 Pesos, während der Staat für jeden eingetauschten Euro 119,69 Pesos ausgibt. Überweisungen (auch aus dem Ausland) sowie Karten und Appzahlungen sind in allen Währungen kommissionsfrei. Die jeweiligen Tageskurse der einzelnen Banken können auf den Seiten der Zentralbank eingesehen werden. De facto liegt der Dollar damit am ersten Tag leicht unter dem Schwarzmarktkurs, während der Euro einen Peso darüber angekauft wird. Neben Dollar und Euro können auch Schweizer Franken, Kanadische Dollar, Britische Pfund und Mexikanische Pesos getauscht werden.

Für Touristen gilt damit weiterhin, dass Euro und andere Währungen attraktiver zu tauschen sind als Dollar.

Am Dienstag wurden auch Bankautomaten und Kartenterminals umgestellt, wie die Zentralbank in einem Statement bekannt gegeben hat. Inhaber von Visa- und Mastercard können seitdem an Geldautomaten zum neuen Kurs abheben. Dieser kommt bei Zahlungen von Peso-Beträgen an Kartenterminals ebenfalls automatisch zum Einsatz. Die Mitnahme von größeren Bargeldsummen nach Kuba könnte damit bald obsolet werden.

Auch Empfänger von Geldsendungen aus dem Ausland, Landwirte, Privatunternehmen und Kooperativen werden von der neuen Möglichkeit profitieren, ihre Deviseneinkünfte zu einem angemessenen Kurs legal tauschen zu können. Die Einzahlung von baren US-Dollar auf kubanische Devisenkonten für den Einkauf in MLC-Geschäften ist jedoch weiterhin nicht möglich, für die Einzahlung auf Peso-Konten fällt eine Gebühr von 7,5 Prozent an.

Laut Zentralbankchefin Marta Sabina Wilson González wird damit de facto ein zweiter Wechselkurs eingeführt: Während der Devisenmarkt mit dem 120:1-Kurs operiert, bleibt für den Rest der Wirtschaft der offizielle Kurs von 24:1 in Kraft. Staatsbetriebe und Agrargenossenschaften sind derzeit explizit vom Währungsmarkt ausgeschlossen. „Mit dem Kurs von 120 Pesos pro Dollar werden neue Anreize zum Umtausch im Rahmen des Finanzsystems geschaffen, mit denen dringend benötigte Devisen abgeschöpft werden“, erklärte González. Der Kurs des Devisenmarkts sei anders als der Kurs für den Rest der Wirtschaft nicht statisch, sondern werde sich an Angebot und Nachfrage orientieren.

Wie Wirtschaftsminister Alejandro Gil erklärte, soll über den Devisenmarkt ein neuer Wechselkurs für die gesamte Volkswirtschaft ermittelt werden. „Unser Ziel ist es, langfristig wieder zu einem einzigen Wechselkurs zurückzukehren“, so Gil. Dies soll gelingen, indem sich nach dem geplanten Start der Devisenverkäufe (der zunächst mengenmäßig begrenzt sein wird) ein Gleichgewichtskurs herausbildet, der als Referenz für eine spätere generelle Abwertung des Pesos dienen kann.

Der Schritt sei nicht ohne Risiko, betonte der Minister. Eine weitere Zunahme der Inflation zähle zu den größten Gefahren. Gil machte deutlich, dass die Maßnahme keine Grundlage für eine Erhöhung von Preisen darstelle und betonte darüber hinaus, dass der Peso das einzige legale Zahlungsmittel im Land bleibe.

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