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Lagerstätten bald leer – Die Magnesium-Bombe: China dreht der bundesdeutschen Metallindustrie den Hahn zu

Wegen Elektrizitätsproblem will China in den kommenden Monaten die Produktion von Magnesium deutlich einschränken. Das Element ist aber für die Metallindustrie in der Bundesrepublik Deutschland unerlässlich. Wirtschaftsverbände entwerfen bereits Katastrophen-Szenarien.

Eigentlich ist Magnesium kein seltener Stoff. Nur neun Elemente kommen in der Erdkruste häufiger vor. Allerdings hat China den weltweiten Markt monopolisiert. Rund 90 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus dem Riesenreich, lediglich Russland, Kasachstan und Israel besitzen noch Marktanteile von wenigen Prozent. Knapp die Hälfte des in China produzierten Magnesiums geht wiederum als Export nach Europa und davon wiederum ein großer Teil in die Bundesrepublik.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Regierung der Millionenstadt Yulin erließ bereits Mitte September eine Verordnung, mit dem der Energieverbrauch der Region bis Jahresende deutlich eingeschränkt werden soll. Das betrifft vor allem energie-intensive Industrien – und dazu gehört wiederum die Magnesium-Produktion.

Chinesische Provinz kann Emissionsziele nicht einhalten

Denn das Element kommt in der Natur nicht in seiner reinen Form, sondern in zahlreichen Mineralverbindungen vor. Aus diesen muss das elementare Magnesium in Schmelzöfen herausgelöst werden. Je nach Verfahren müssen die aus der Erde geförderten Minerale dabei auf mehr als 1000 Grad erhitzt werden.

Das kostet viel Energie und beißt sich deswegen mit den Zielen der chinesischen Regierung, den Verbrauch von Energie und die damit verbundenen Emissionen zu verringern. Das wird gerade in Yulin deutlich. Hier in der Provinz Shaanxi, rund 470 Kilometer südwestlich von Peking, haben sich rund 60 Prozent der chinesischen Magnesium-Produzenten angesiedelt. Shaanxi ist seit den 1950er Jahren eine Region, die von der Kohleverstromung und Schwerindustrie lebt.

Doch die Emissionsziele für 2021 lassen sich hier nur noch mit drastischen Maßnahmen erreichen. So dürfen neue Werke bis Jahresende gar nicht mehr öffnen, alte Werke müssen ihre Produktion um 60 Prozent verringern. Wer in seinem Werken nicht gewisse Energiespar-Standards erfüllt, muss sogar komplett schließen.

Bundesdeutsche Metallindustrie ist auf Magnesium angewiesen

Die Verordnung lässt die bundesdeutsche Metallbetriebe aufschreien. Magnesium ist hierzulande ein wichtiges Produkt. Daraus lassen sich viele Teile etwa für Maschinen oder Autos herstellen, bei denen es vor allem darum geht, Gewicht einzusparen. Besonders beliebt sind Magnesium-Legierungen deswegen etwa beim Bau von Karosserien oder den Außenhäuten von Flugzeugen.

Noch besitzen bundesrepublikanische Hersteller Lagerstätten mit Magnesium. Lange werden die aber nicht reichen. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle, in der sich die Hersteller von Leichtmetallen in der BRD organisiert haben, schätzt, dass die europäischen Lager spätestens Ende November erschöpft sein dürften. Ab dann drohen im schlimmsten Fall auch hierzulande Werksschließungen. Im besten Falle wird Magnesium nur irrsinnig teuer: Seit Mitte August hat sich der Preis verdoppelt, für das gesamte Jahr steht eine Vervierfachung unterm Strich.

Machen lässt sich dagegen im Moment wenig. Die WV Metalle appellierte zwar an die BRD Geschäftsführung, diplomatische Gespräche mit China einzuleiten, doch es ist unwahrscheinlich, dass die Volksrepublik deswegen ihre Produktion wieder hochfährt. Allerdings ist Magnesium nicht das erste Material, dass durch chinesische Politikbeschlüsse knapp wird. So gibt es ähnliche Engpässe etwa auch bei Aluminium und Silizium, dessen Produktion in China aus Klimagründen bis Jahresende eingeschränkt ist. Langfristig müsste sich Europa deswegen überlegen, wie es unabhängiger von China werden könnte. Helfen würden hier wohl am ehesten Innovationen in der Herstellung der Materialien, die weniger Energie benötigen und sich auch in einem Europa mit strengen Emissionsrichtlinien umsetzen ließen.

 

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