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LANDRAUB UND UMWELTZERSTÖRUNG – Indigene leisten Widerstand gegen Palmölindustrie

In Guatemala sorgt die Produktion von Palmöl für Konflikte. Die indigene Bevölkerung wehrt sich, Einsatzkräfte reagieren mit Gewalt.

Guatemala City – Viele Lebensmittelhersteller setzen auf Palmöl. Es befindet sich in Nuss-Nugat-Cremes, Tütensuppen, Keksen und zahlreichen Fertigprodukten. Doch der Ruf des Speisefetts ist schlecht. Es gilt als Klimakiller und fördert das Entstehen von Monokulturen. In Guatemala regt sich nun Widerstand gegen die Palmölindustrie. Das lateinamerikanische Land zählt zu den größten Produzenten der Welt.

Palmölproduktion sorgt in Guatemala für Konflikte

Die weltweit dominierenden Produzenten von Palmöl sind Indonesien, das große Flächen seines Regenwaldes verloren hat, und Malaysia. Die südostasiatischen Staaten stellen mehr als 80 Prozent des global genutzten Rohstoffs her. In Lateinamerika steht Kolumbien an erster Stelle, gefolgt von Guatemala. Im vergangenen Jahr produzierte das Land mehr als 800.000 Tonnen rohes Palmöl – etwa 80 Prozent werden exportiert.
Produktion von Palmöl in Guatemala: Umweltverschmutzung und soziale Konflikte

Auf die dunklen Seiten der Palmölindustrie in Guatemala hatte bereits 2019 die Christliche Initiative Romero (CIR) aufmerksam gemacht. In einer Studie kam der Verein zu dem Ergebnis, dass die Produktion des Öls den Regenwald zerstöre, das Wasser verschmutze und für Landraub sorge. „Anwohner aus Gemeinden in der Nähe von Ölpalmplantagen berichten von Wassermangel sowie von Hautkrankheiten, Erbrechen und Kopfschmerzen durch verseuchtes Wasser und giftige Dämpfe. Kleinbauern beklagen den Verlust ihrer Existenzgrundlage, Plantagenarbeiter die prekären Arbeitsbedingungen“, hieß es in einer Mitteilung von CIR. Auch eine andere Palmöl-Studie kam zu besorgniserregenden Erkenntnissen.

Von verseuchten Gewässern spricht auch Marcelo Sabuc. In den letzten Jahren sei es in den Flüssen in der Nähe von Palmölanlagen gelegentlich zu einem Massensterben von Fischen gekommen, berichtet Sabuc.

Viele der 17 Millionen Menschen, die in Guatemala leben, gehören zu indigenen Gruppen. Je nach Erhebung wird der Anteil an der Gesamtbevölkerung auf 40 bis 60 Prozent geschätzt. „Die Hälfte der Guatemalteken ist von Armut betroffen, mehr als zehn Prozent sogar von extremer Armut. Die indigene Bevölkerungsmehrheit muss zudem mit Unterdrückung und Ausbeutung leben und erfährt nur wenig vom wirtschaftlichen Wachstum des Landes“, schreibt das Medikamenten-Hilfswerk Action Medeor.

Palmöl-Plantage in Indonesien
Monukultur: Eine Luftaufnahme zeigt Palmöl-Plantagen in Indonesien. © Bagus Indahono/dpa

Palmöl in Guatemala: „Mein Mann ist für das Land gestorben“

Die prekäre Situation vieler indigener Menschen sei kein Resultat des Palmölanbaus, argumentiert die Industrie. „Das Problem der Agrarkonflikte in Guatemala ist ein historisches Problem, welches verschiedene Akteure betrifft, nicht nur einen bestimmten Sektor“, sagt Karen Rosales, Geschäftsführerin der Vereinigung der Palmenbauern Guatemalas, gegenüber Al Jazeera. Eine der Hauptursachen sei die Schwäche des Staates, der sich nicht um den rechtlichen Status von Land und die Menschenrechte kümmern würde. „Diese Abwesenheit des Staates schafft definitiv Bedingungen für Konflikte“, betont Rosales.

Ein solcher Konflikt brodelt in dem Dorf Chinebal, das rund 280 Kilometer von Guatemala City entfernt liegt. Eines der führenden Palmölunternehmen des Landes bepflanzt das Ackerland dort mit Ölpalmen – die Gemeinde stellt sich allerdings dagegen.

Bei einem Protest im vergangenen Jahr hatte die Polizei gegen die Bevölkerung hart durchgegriffen. Ein Bewohner wurde dabei von den Einsatzkräften erschossen. Er sei unbewaffnet gewesen, betont die Dorfgemeinschaft. „Mein Mann ist für das Land gestorben“, sagt seine Witwe zu Al Jazeera. „Ich werde hier nicht weggehen. Wenn die Polizei kommt, werden sie uns alle töten müssen.“ (tvd)

 

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