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Mainframes: Exzellente Chancen für Linux-Admins, aber Manager müssen umdenken

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Die Ausbildung von Mainframe-Fachkräften kommt meist zu kurz – aber wer nur an Cobol denkt, liegt falsch: Gefragt sind vor allem Linux- und Java-Kenntnisse.
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Systemverwalter und Entwickler werden gerade im Mainframe-Umfeld händeringend gesucht – und trotzdem kommt die Ausbildung der Fachkräfte eklatant zu kurz. Wir sprechen mit Wolfram Greis von der European Mainframe Academy darüber, wie sich akademische Einrichtungen und Unternehmen gut für die Zukunft aufstellen lassen.

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Herr Greis, sind Mainframes heute noch relevant?

Relevanter als Viele denken! In Einführungsvorlesungen an Universitäten und Hochschulen stelle ich gerne die Frage: Wer von euch hat schon mal einen Mainframe benutzt? Es gehen wenige Hände hoch. Dann frage ich: Wer hat schon mal Geld abgehoben an einem Geldautomaten? Wer hat schon mal mit einer Kreditkarte bezahlt? Wer ist schon mal mit einer Airline geflogen? Wer hat schon einmal bei Rewe eingekauft? Hier sind – mit wenigen Ausnahmen – immer Mainframes im Spiel. Das heißt: Wir kommen täglich mit Mainframes in Kontakt, ohne dass uns das bewusst wird.

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Welche speziellen Skills sind für den Betrieb von Mainframes notwendig?

Es ist vor allem die Komplexität, die hier die entscheidende Rolle spielt. Da Mainframes in der Regel tausende und zehntausende Benutzer gleichzeitig bedienen, sind auch die Infrastrukturen im Hintergrund komplex, denn sie sorgen für Hochverfügbarkeit und den unterbrechungsfreien Betrieb. Dafür werden spezielle Skills gebraucht.

Unterscheiden muss man hier vor allem noch die Expertengruppen: Für Anwendungsentwickler spielt die Plattform eine weniger große Rolle als für die Administratoren. Früher hat man letztere als Systemprogrammierer bezeichnet. Für die Administratoren ist Programmierung heute jedoch kaum noch relevant, dafür umso mehr das Verwalten von Petabytes an Storage, von Security und von den Datenbank- und Transaktionsumgebungen.

Droht ein Fachkräftemangel – oder gibt es den bereits? In den USA mussten Banken oder auch Behörden über 70-jährige COBOL-Rentner reaktivieren, um beispielsweise Gesetzesänderungen zu implementieren. Wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Ja klar, es gibt einen Fachkräftemangel. Den gibt es generell in der IT – und im Mainframe-Umfeld macht er sich noch eklatanter bemerkbar. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste ist, dass man sich in den letzten Jahren in den Unternehmen viel zu wenig um die Ausbildung von Nachwuchs gekümmert hat. Der zweite ist, dass der Mainframe an Universitäten und Hochschulen so gut wie keine Rolle mehr spielt. Wie sollen sich Studierende für Mainframes interessieren, wenn sie gar nicht wissen, dass – und vor allem auch warum – es sie gibt.

Ein weiterer Aspekt noch: Es geht nicht nur um Hochschulabsolventen, die gebraucht werden. Auch in der Ausbildung von Fachinformatikern spielt der Mainframe heute leider keine Rolle mehr. In der dazu erhältlichen Fachliteratur für Fachinformatiker werden Mainframes als Dinosaurier und veraltet dargestellt und bis auf eine Randnotiz ignoriert. Wer genauer hinschaut sieht aber: Es gibt kaum eine modernere Plattform.

Dass COBOL-Rentner in den USA aktiviert werden mussten, liegt daran, dass diese COBOL-Programme seit Jahrzehnten nicht mehr angefasst und überarbeitet wurden. Auch COBOL hat sich verändert und wurde modernisiert. Es sollte doch eigentlich nicht gar so arg verwundern, dass Programme, die man zig Jahre nicht mehr verändert und verbessert hat, in extremeren Situationen nicht mehr vernünftig arbeiten. Das hat wenig mit COBOL zu tun!

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Quelle

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