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Maya-Kalender und chinesischer Tierkreis legen Austausch vor 2.000 Jahren nah

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Überraschend ähnlich: Nicht nur die Namen der Forscher, sondern auch Maya-Kalender und chinesischer Tierkreis legen einen transpazifischen Wissensaustausch nah – und einen Fehler bei der bisherigen Interpretation des Maya-Kalenders.
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Spätestens seit dem Jahr 2012 ist der Maya-Kalender dank des vermeintlich prognostizierten Weltuntergangs der mit Abstand bekannteste antike Kalender weltweit. Mindestens genauso alt und vor allem in Asien bekannt ist das chinesische Kalendersystem mit seinen Tierkreiszeichen.

Vor mehr als 40 Jahren begann der Forscher David Humiston Kelley diese beiden Kalendersysteme zu untersuchen und entdeckte dabei unzählige Gemeinsamkeiten. Er kam zu dem Entschluss, dass es unwahrscheinlich sei, dass sich unabhängig voneinander zwei so ähnliche Kalendersysteme entwickelten. Stattdessen sah er einen Hinweis dafür, dass die mittelamerikanischen Mayas einst im Kontakt mit der chinesischen Kultur in Asien stand.

Diese Hypothese verfasste er in seiner Arbeit „Asian Components in the Invention of the Maya Calendar“ („Asiatische Komponenten bei der Erfindung des Maya-Kalenders“). Im Jahr 1980 wollte eine große Wissenschaftszeitschrift diese Arbeit bei sich veröffentlichen. Da sie jedoch zu umfangreich für das Format der Zeitschrift war, baten die Redakteure Kelley, seine umfangreiche Arbeit zu kürzen. Der Forscher lehnte ab. Kurz vor seinem Tod 2011 gab Kelley schließlich der Zeitschrift Pre-Columbiana die Erlaubnis, seine Arbeit zu veröffentlichen.

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Von der Mehrheit abgelehnt

Die von David H. Kelley aufgestellte Hypothese ist in der Forschungswelt äußerst umstritten. Kelleys Ansatz, dass es vor mehr als 1.000 Jahren einen Kontakt zwischen Asien und Meso- beziehungsweise Mittelamerika gab, steht im direkten Widerspruch zur derzeitigen anerkannten Auffassung. Die bisherige Annahme ist, dass ein solcher Austausch zwischen den Kontinenten erst vor einigen Hundert Jahren zum ersten Mal stattfand.

Kelley und viele andere Forscher halten dies jedoch schon viel früher für möglich. Die Ähnlichkeit der Kalendersysteme der Mayas und Chinas sind für die Befürworter nur einer von den zahlreich wachsenden Beweisen für den frühen Kontakt.

Doch die Ähnlichkeiten zwischen den Kalendersystemen ist nicht nur dem Maya-Experten Kelley aufgefallen. Auch David B. Kelley, Sprachwissenschaftler für Ostasien von der University in Tokio, bestätigte mithilfe eines Computerprogramms das Vorhandensein der Gemeinsamkeiten. [Anm. d. Red.: David B. Kelley trägt nur zufällig den gleichen Namen wie David H. Kelley, die beiden unterscheiden sich nur im Initial des zweiten Vornamens]

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Gemeinsamkeiten auf den ersten Blick

In beiden Kalendersystemen werden die Tage mit verschiedenen Elementen (Wasser, Feuer, Erde usw.) und Tieren kombiniert. So gibt es bei den Tieren in den beiden Kalendern mit Hirsch, Hund und Affe drei direkte Gemeinsamkeiten. Zudem gibt es weitere „indirekte Übereinstimmungen“, die erst auf den zweiten Blick erkennbar werden.

So ist beispielsweise ein Tag im Maya-Kalender dem Jaguar zugeordnet, im chinesischen Kalender jedoch dem Tiger. Ein anderer Tag wird im Maya-Kalender mit dem Krokodil assoziiert, im chinesischen Kalender jedoch mit dem Drachen. Die Bedeutungen können im Wesentlichen dieselben sein, nur passt sich die spezifische Erscheinungsform der lokalen Tierwelt oder Überlieferung an.

Eine weitere Ähnlichkeit zwischen mesoamerikanischen und chinesischen Kalendern ist die Kombination der Symbole von Kaninchen und Mond. „Der aztekische Tag 8 (der Hase) steht im Zeichen von Mayauel (der Göttin des Mondes) und dem alkoholischen Kaktusgetränk Pulque“, schrieb David H. Kelley. Darstellungen des Kaninchens im Mond finden sich in Mesoamerika erstmals um das 6. Jahrhundert nach Christus.

Der Hase zeigt den Ursprung

Doch auch auf dem asiatischen Kontinent finden sich derartige Darstellungen. „Bilder des Kaninchens im Mond, das ein Unsterblichkeitselixier herstellt, sind in China sehr beliebt. Sie tauchen erstmals im 1. Jahrhundert vor Christus oder etwas früher in der Han-Dynastie auf“, so David H. Kelley weiter. Sein Fazit: Das Maya-Kalendersystem könnte nach dem chinesischen System entstanden sein.

Dass sich antike Kalendersysteme miteinander vermischen, ist keine Seltenheit. So zeigen laut David H. Kelley griechische und indische Systeme ähnliche Wurzeln, die aber leicht unterschiedliche Formen annehmen.

Dies half dem Maya-Experten, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem Maya-Kalender zu verstehen. Ein weiterer möglicher Hinweis darauf, dass beide letztlich denselben Ursprung haben könnten und sich nicht unabhängig voneinander entwickelten.

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Ist das Anfangsdatum des Maya-Kalenders falsch?

Beeindruckt von den Arbeiten des Maya-Experten untersuchte der Sprachwissenschaftler David B. Kelley mögliche Übereinstimmungen zwischen der Tageseinteilung des Maya-Kalenders und den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz im chinesischen Kalender. Als Ausgangspunkt wählte David B. Kelley die Anfangsdaten der beiden Kalender. Der Beginn des Maya-Kalenders ist jedoch umstritten, da diesen niemand mit Sicherheit bestimmen konnte. David B. Kelley verwendete hierfür das in der Forschungswelt angenommene Anfangsdatum: den 11. August 3114 vor Christus.

Ausgehend von diesem Datum entdeckte er in einem 60-Tage-Zeitraum neun Übereinstimmungen zwischen den beiden Systemen. Diese hingen alle mit den Tagesnamen und Tieren zusammenhängen.

Anschließend verschob er das Startdatum um wenige Tage und untersuchte die Auswirkungen. Mit dem 7. August 3114 v. Chr. als Startdatum landete er schließlich einen Treffer: Innerhalb eines 60-Tage-Zeitraums erkannte er 30 Übereinstimmungen, die sogar die Elemente mit einbezogen.

„Wenn es tatsächlich eine Beziehung zwischen dem mesoamerikanischen und chinesischen Kalender gibt, und sei sie noch so klein, besteht eine reale Chance, die vollständige Bedeutung und Funktion des Maya-Kalenders zu entschlüsseln“, schrieb David B. Kelley in seiner Arbeit.

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Unterschiedliche Symbole – selbe Bedeutung

Dass das Erkennen von Verbindungen nicht immer einfach ist, zeigte bereits David H. Kelley an einigen Beispielen. So würde niemand auf den ersten Blick eine Verbindung zwischen den Symbolen Hund, Blitz und Schildkröte sehen. Doch dies ist möglich, wie David H. Kelley anhand Überlieferungen der alten Götterwelt zeigt. „Die Göttin des 19. aztekischen Tages war Chantico, eine Feuergöttin. Sie wurde von den anderen Göttern eines Tages in einen Hund verwandelt.“

Darstellungen von Hund und Schildkröte sind zudem in Asien und Mittelamerika häufig zu finden. „Das Konzept des Blitzhundes findet sich in Asien in allen Gebieten mit buddhistischem Einfluss und ist auch in Mexiko zu finden. Ein tibetisches Manuskript zeigt tatsächlich einen weiblichen Blitzhund, der auf einer Schildkröte sitzt. Auch der Maya-Codex von Madrid zeigt einen Hund, der auf einer Schildkröte sitzt – eine biologische Merkwürdigkeit“, so David H. Kelley.

Zusätzlich zu den Verbindungen zwischen Tieren und Elementen stellten beide Forscher sprachliche Ähnlichkeiten zwischen den Tagesnamen fest. So schrieb David B. Kelley: „Vielleicht liegt einer der spannendsten Aspekte in der Sprachwissenschaft. Hier konnten wir nachweisen, dass einige Wörter aus bestimmten Maya-Dialekten nahezu gleich sind mit Wörtern aus bestimmten chinesischen Dialekten.“

Der verstorbener Maya-Experte David H. Kelley war sich sicher, mit seinen Forschungen einen kulturellen Kontakt zwischen Menschen aus Asien und Mittelamerika entdeckt zu haben. Dieser, so vermutete er, könnte um das späte 1. oder frühe 2. Jahrhundert nach Christus stattgefunden haben. Ob dies der Fall war und wie dieser ausgesehen hatte, müssen künftige Entdeckungen zeigen.

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Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „The Mayan Calendar Is Strikingly Like the Chinese Zodiac; Could This Be Ancient Cross-Cultural Exchange?“ und in deutscher Berarbeitung in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 56, vom 6. August 2022.

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Quelle

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