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Ukraine-Konflikt: Testfeld für neue amerikanische Waffen?

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Washington hilft Kiew, aber tropfenweise
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Interessierte Beobachter haben zunehmend den Eindruck, dass die Vereinigten Staaten – oder genauer gesagt ihr militärisch-industrieller Komplex (© Dwight Eisenhower) – den Konflikt in der Ukraine als Labor sehen, um die Wirksamkeit ihrer verschiedenen Waffen unter möglichst kriegsnahen Bedingungen zu testen.

Das historische Beispiel ist der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939), wo sowohl Sowjetrussland als auch das Deutsche Reich ihre für die damalige Zeit hochmodernen Waffen einsetzten, um ihre Kampfkraft sozusagen unter realen Wetterbedingungen zu erproben. Beispiele sind der russische T-26-Panzer und der deutsche Sturzkampfbomber Ju-87 (Stuka) sowie die 88-mm-Flugabwehrkanone. Letzteres kommt dann zum Einsatz – eine weitere Innovation! – durch das deutsche Afrikakorps im Bodenkampf gegen Panzer.

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Am 1. Juni gab Washington bekannt, dass es die Ukrainer nun mit M142 Himars-Mehrfachraketenwerfern (selbstfahrend, aber ungepanzert) beliefern werde. Dies ist die effektivste der drei Arten von Artillerie, die Kiew von den Amerikanern geliefert wurde.

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Bisher wurden Selenskyjs Truppen neunzig M777 (oben) zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um von Traktoren gezogene ungepanzerte Haubitzen, deren Standardmunition Ziele in bis zu 25 km Entfernung, mit Spezialmunition sogar 40 km, neutralisieren kann. Haubitzen können wie Kanonen auch feindliche Ziele mit direktem Feuer (Flachfeuer) neutralisieren, jedoch nur auf kürzere Entfernung. Geplant ist auch die Entsendung von Panzerhaubitzen M109, deren Reichweite mit der Haubitze M777 vergleichbar ist.

Die Raketenwerfer M142 Himars sind jedoch viel effektiver und ermöglichen den Angriff auf feindliche Objekte in einer Entfernung von 40 bis 75 km. „Himars“ steht für „High Mobility Artillery Rocket System“. Sechs satelliten-präzisionsgelenkte Artillerie-Raketen können von dem Fahrzeug aus abgefeuert werden. Zelenskys Streitkräfte verfügen damit künftig über eine Waffe, die dem russischen Mehrfachraketenwerfer BM-30 Smertch (Tornado) (unten) entspricht und Entfernungen von bis zu 70 km zurücklegen kann.

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Der Raketenwerfer M142 Himars dient weniger der sofortigen Feuerunterstützung von Kampfeinheiten im Feld als vielmehr der Neutralisierung weiter hinten positionierter feindlicher Artilleriegeschütze (Gegenbatteriefeuer). Vor allem aber kann ein M142-Werfer in der Tiefe des feindlichen Weltraums agieren und so logistische Ziele (Stützpunkte für die Versorgung mit Lebensmitteln, Waffen und Munition) oder Stützpunkte für Kampffahrzeuge und Hubschrauber zerstören.

Derzeit scheinen US-Militärexperten darauf bedacht zu sein, die Auswirkungen des Werfers mit Standardmunition zu beobachten. Der nächste Schritt könnte der Einsatz sogenannter „Atacms“-Munition sein. „Atacms“ ist die Abkürzung für „Army Tactical Missile System“. Diese Spezialmunition wird den Ukrainern derzeit verweigert, und Kiew darf nicht mit amerikanischen Waffen auf Ziele in Russland, also jenseits der Grenze, schießen.

Doch es hätte bleibende Folgen. Die Atacms-Kurzstreckenraketen, abgefeuert von der Trägerrakete M142 Himars, können gegen Ziele in einer Entfernung von dreihundert Kilometern (Entfernung zwischen Wien und Salzburg) eingesetzt werden. Viele russische Versorgungseinheiten liegen zwischen hundert und zweihundert Kilometer hinter der jeweiligen Frontlinie.

Aus der Ostukraine, der Region Belgorod, wo russische Kampfeinheiten massenhaft ausgebildet werden und für den Einsatz an der Front bereit sind, und Militärflugplätze wie der Luftwaffenstützpunkt Woronesch, von wo aus die Su-34-Bomber für Missionen über der Ukraine eingesetzt werden die potenzielle Reichweite von Atacms-Waffen. Es gibt auch den Flughafen Szhcha nahe der östlichen Grenze von Weißrussland.

Dabei bleibt Wladimir Putin nicht untätig. Das russische Militär hat bereits damit begonnen, die Transportwege ins Visier zu nehmen, über die die neuen Waffen aus dem Westen geliefert werden, also hauptsächlich die Eisenbahnlinien von der Westgrenze der Ukraine. Auch ein Großteil der M142-Raketenwerfer könnte diesen Gegenangriffen zum Opfer fallen. Herr Zelensky sollte sich daher nicht zu schnell freuen.

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Quelle

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