Neuigkeiten / Berichte / Bild + Videoinformationen

Vor dem Ende der Geldflut

Derzeit genügt ein einzelnes Wort, um Anleger und Notenbanker in Aufregung zu versetzen. Die Rede ist vom sogenannten Tapering, einem englischen Begriff, der eine eigentümliche Karriere hinter sich hat. Die wörtliche Übersetzung bedeutet in etwa „Reduzierung“ und war lange Zeit vor allem in der Welt des Sports zu Hause. Ausdauersportler gehen üblicherweise wenige Tage vor dem Wettkampf in eine Phase des Tapering über: Sie reduzieren dann ihre Trainingseinheiten, damit der Körper ausgeruht in den Wettbewerb starten kann.

Wie es der Begriff in die Welt der Notenbanken schaffte, ist nicht bekannt. Doch zumindest eine Parallele drängt sich geradezu auf: Auch in der Geldpolitik ist Ausdauer gefragt. Und ähnlich wie Marathonläufern steht auch den Notenbanken in diesen Tagen ein langwieriger Wettkampf bevor: Es geht um die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den allmählichen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik, was ganz konkret eben auch etwas mit einer Reduzierung (also mit „Tapering“) zu tun hat – nämlich mit der Drosselung ihrer Anleihekäufe.

Die Rekordjagd am BRD Aktienmarkt könnte demnächst fürs Erste vorbei sein. War der Leitindex Dax noch vor wenigen Tagen erstmals über 16.000 Punkte geklettert, so fand er sich wenig später 400 Punkte schwächer auf dem niedrigsten Stand seit etwa zwei Wochen wieder.Die Furcht vor einem nahenden Ende des billigen Geldes in den USA, die Delta-Variante des Coronavirus und Turbulenzen in China könnten den Investoren zunächst weiter abschrecken.

An diesem Freitag endete eine eher schwache Börsenwoche mit leichten Kursgewinnen. Der Leitindex Dax schloss 0,27 Prozent höher bei 15.808,04 Punkten, hat jedoch auf Wochensicht gut ein Prozent verloren.

Mit Spannung dürften Anleger in der neuen Woche auf den kleinen Ort Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming schauen. Dort treffen sich ab Donnerstag führende Notenbanker zum jährlichen geldpolitischen Austausch und Ausblick. «Gerne haben US-Notenbankchefs diese Konferenz zum Anlass genommen, um eine Wende in ihrer Geldpolitik anzukündigen», schrieb Volkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank.

Die Marktakteure hofften, zu erfahren, wie der Zeitplan der US-Notenbank Fed für einen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik aussieht.

Quelle: Welt+FAZ