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WM-Wahnsinn: Feindflug einer Fußballelf

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Als die ersten Gerüchte aufkamen, dass es im Land der Islamisten eng werden könnte mit dem Bierausschank im Reich der Blutprinzen, hätte die demokratische Welt noch eine Wahl gehabt, die Notbremse zu ziehen. Bier gehört zum Fußball wie Fußball zum Bier. Eins kann nicht ohne das andere, nicht jedenfalls in der zivilisierten Welt. Obwohl Budweiser, das offizielle Bierersatzgetränk der Weltmeisterschaft in Katar, in Kulturnationen ohnehin nicht als reguläres Bier gilt, hätte ein lockerer Umgang mit den engstirnigen und trinkerdiskriminierenden Vorgaben des Koran beim Thema Alkohol die dritte und die ersten Fußballwelt ein wenig miteinander versöhnen können. 

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Toleranzschwelle austesten

Die Gastgeber aber blieben stur. Trotz aller Kritik aus Berlin, aus den Stadien der Ligen des viermaligen Weltmeisters und mahnender Worte sogar der Innenministerin, die kurz vor ihrem Abschied aus Berlin nach Wiesbaden eigens vor Ort eilte. Aus diplomatischen Gründen begleitet von hochrangigen Vertretern der deutschen LBGTQUSWETC-Gemeinschaft, die die Toleranzschwelle der traditionell der Terrorfinanzierung verdächtigten weitläufigen Familie von Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani austesten sollten.

Das Experiment gelang, angesichts der führendsten Rolle Deutschland beim klimagerechten Umbau der globalen Wirtschaft durch die Abnahme großer Mengen katarischen Flüssiggases verzichteten die Behörden in Doha furchtsam auf ein Eingreifen. Deutschland ließ sich davon allerdings nicht täuschen: Von München bis Wolfsburg und von Mainz über Köln bis Berlin herrschte nicht nur in den direkt von Katar finanzierten Fußballhochburgen, sondern auch bei Gemeinsinnsendern und Politik Einigkeit:  Deutschland hat diese WM mit 214 Millionen Euro aus der Gebührenkasse von ARD und ZDF mitfinanziert. Adidas ist einer der Fifa-Partner, in seligem Angedenken an die engen Beziehungen, die die seinerzeit die Sommermärchen-WM 2006 nach Deutschland gekauft hatte.

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Ein Zeichen setzen, oder zwei

Der Feindflug der Fußball-Nationalmannschaft nach Katar musste stattfinden, um ein Zeichen zu setzen. Die WM aber darf nicht gefeiert werden wie die früher in Diktaturen wie Argentinien und Russland abgewickelten Turniere, denn es gilt ein Zeichen zu setzen. Mutige Kommunen haben langfristig alle Public-Viewing-Veranstaltungen bei drei Grad im Novembernieselregen in einem selbstlosen Akt der Entsagung abgesagt. Der Kanzler, der zuletzt noch nach London „gereist“ und „gefahren“ war, um den deutschen Fußballfrauen seine Aufwartung zu machen, wird nicht kommen. Der Bundespräsident bleibt seiner Linie treu, mit Fremden, „die unsere Werte nicht teilen“ (Steinmeier) lieber nicht zu reden, um sie nicht unmäßig aufzuwerten.

Das Jammern, das Wehklagen, die Gewissensbisse, sie zeigen Wirkung. Ganz einfache Menschen, die bisher der Ansicht waren, dass die Benachteiligung von Frauen, die Verachtung von Schwulen, die Ablehnung von Alkohol und Menschenrechten offizielle Haltung aller muslimischen Staaten sind, sehen sich plötzlich moralisch unter Druck gesetzt, die WM zu ignorieren, sie zu sabotieren und zu boykottieren, bis, wie Bundesinnenminister Marco Buschmann festgelegt hat, „alle Menschen akzeptiert werden, so wie sie sind, egal, welches Geschlecht sie haben und wen sie lieben.“

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Verständigung nur mit Unseresgleichen

Vorher, so der Liberale, könne es „keine internationale Verständigung“ geben, nur das eine oder andere Geschäft. Bei Volkswagen, der Hitlergründung, teilen sich der deutsche Staat und Katar die Eigentümerrechte. Bei der ehemals Deutschen Bank, beim taumelnden Zukunftskonzern Siemens Energy und beim Beinaheimpfstoffhersteller Curevac sind Blutprinzen und deutsche Politiker Aufsichtsratskollegen. Beim FC Bayern München, der ein Drittel der deutschen WM-Equipe stellt, zahlen die Scheichs immer im Winter, wenn die Gasrechnung selbst dem Dauermeister zu teuer wird, einen Klimaausflug an den Golf.

Das WM-Land ist also kein Neuland für viele deutsche Kicker, erstmals aber dürfen sie auf dem Platz nun das Gefühl haben, mit jedem Pass Schuld auf sich zu laden, mit jedem Tor den Falschen zu dienen und mit jedem Jubel allen Bemühungen Hohn zu sprechen, den in Katar verbotenerweise immer noch „Gastarbeiter“ genannten Opfern des WM-Spektakels Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ein falsches Wort, ein falscher Wimpernschlag, schon wird das Heer der öffentlich-rechtlichen Aufpasser – neben ARD und ZDF berichtet auch das teilstaatliche Magenta TV der Telekom – losprangern. Schon vor dem Anstoß war ein eigenes neues Kunstgenre entstanden, das sich allein der sogenannten „Fußballempörung“ widmet. In Katar wird es seine ersten Meisterwerke zeigen.

Die besten Voraussetzungen für fröhliche Fußballwochen.

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Quelle

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